Konsumreform – Soviel mehr als ein Café

20131220-212620.jpg

Gestern war mal wieder so ein Tag an dem ich einfach raus musste. Weg vom Schreibtisch und was Neues im Altbekannten entdecken.
Ich hab so eine kleine Liste für das Ruhrgebiet an Dingen, die ich noch machen möchte und Orten, die ich unbedingt besuchen möchte. Wenn ich irgendwo etwas Interessantes lese oder davon höre, kommt es auf diese Liste und mindestens einmal im Monat wird was davon abgehakt. Und so ein Tag war halt gestern endlich mal wieder. Die Sonne lachte sogar- also nix wie raus. Und Hunger hatte ich. Und auch nicht sooo viel Zeit. Also entschied ich mich dafür meine schon ausgemachte Mittagessens-Verabredung ins Konsumreform in der nördlichen Essener Innenstadt zu verlegen. Das stand nun schon einige Wochen auf der Liste und ließ sich auch recht gut in der Mittagszeit einrichten.

Auf die Liste hatte ich es geschrieben- und fett eingekreist- nachdem ich einen Artikel über den Wandel der nördlichen Innenstadt in ein Kreativquartier las. Für alle, die sich in Essen nicht so gut auskennen: Die nördliche Innenstadt ist so ziemlich der Schandfleck der Innenstadt. Kaum einer geht die Kettwiger Strasse (Haupteinkaufsstrasse) weiter herunter als bis zum Biomarkt, ausser man ist auf der Suche nach einem günstigen Döner oder möchte mal schnell günstig ins Ausland telefonieren. Nix gegen günstigen Döner, aber schön ist anders.

Die doch recht zahlreichen, leerstehenden Geschäftsräume und Gebäude und die eigentlich recht unattraktive Lage bieten jedoch auch einen entscheidenden Vorteil: Man kann einfach mal ohne allzu großes Risiko etwas Neues probieren. Dachte sich wohl auch Reinhard Wiesemann, der auch das Unperfekthaus – einer meiner absoluten Lieblingsorte in Essen – betreibt und eröffnete hier zunächst Anfang 2012 das GenerationenkultHaus (Ge-KU-Haus) mit Wohungen und Wohngemeinschaften für Alt und Jung und einem „Co-Working“ Office oben auf dem Dach mit Traumausblick.

Und im Untergeschoss genau diesen Gebäudes findet man nun seit einigen Monaten das Projekt Konsumreform. Ein Café/Bistro mit integriertem Trödelmarkt, Indoor Fahrradstation, E-Mobil Vermietung und Dusche. Trödelmärkte hab ich als Kind schon geliebt und veranstaltet und das hat sich bis heute nicht geändert. Also schon allein von der Idee her genau mein Ding. Und von der Umsetzung?

Auch! Total! Aber ich fang mal von vorne an. Meine Verabredung ist grandioserweise eine von den Personen, die immer sehr offen für Neues sind, also brauchte ich ihn gar nicht dazu überreden und wir wagten uns wagemutig hinter die imaginäre Grenze des Biomarktes.

Was wir fanden war ein Ladenlokal mit grossen Fenstern, dass rein äusserlich erstmal gar nicht so richtig auffiel. Doch nach dem Betreten fühlte es sich gleich irgendwie heimisch an, zumindest für mich. Kein Stuhl und kein Tisch gleicht dem anderen, es gibt Strandkörbe als Sitzmöglichkeiten oder ein langes Samtsofa im Fenster. Alles passt irgendwie gar nicht zusammen und andererseits total. Diese Art und Weise der Einrichtung habe ich im Unperfekthaus bereits kennen und lieben gelernt.

Es gibt eine grosse, lange Theke mit einer riesigen Vitrine, in der die tollsten Quiches und Torten präsentiert werden. Ich wusste direkt, dass es ein Entscheidungsproblem geben wird, vor allem nachdem ich dann auch noch die ganzen netten Dinge auf der großen Speisetafel hinter der Theke las: Suppen, Tortilla, Rosmarinkartoffeln, geschmierte Schnittchen, Quiche… hörte sich irgendwie alles yummie an! Und dann erstmal die ganzen Getränke: Smoothies, Raw chocolate power… chocolate what?! Musste ich probieren. Durch den mächtigen Schoko-Shake reduzierte sich dann der Anteil an fester Nahrung auf Rosmarin-Blechkartoffeln mit Kichererbsen-Sesam Dip. War beides wirklich seeeehr yummie und für zusammen 7,90 € kann man echt nichts sagen.

20131220-214839.jpg           20131220-214616.jpg

Noch viel mehr als über das Essen freute ich mich jedoch auf den Besuch des hinteren Teils der Lokalität nach dem Essen – dem Trödelmarkt. Und auch hier wurde ich nicht enttäuscht. Allerhand Nippes und Zeugs, das eigentlich keiner wirklich braucht, aber manchmal halt plötzlich ganz dringend. Ich brauchte dringend Puppenmöbel und habe immerhin schon mal 2 Stühle dort gefunden – von Barbie in pink für 0,50 € zusammen!!! Grandios! Der Besuch hat sich alleine dafür schon gelohnt.

Ansonsten gibt es eine wahre Schallplatten Fundgrube (hier ist vor allem die Abteilung Obskures sehr zu empfehlen ), Klamotten, altes Spielzeug,Deko, Geschirr, VHS Kassetten und auch Sachen, die man früher selbst mal hatte und sich dann fragt, wann man sich von denen eigentlich getrennt hat bzw. wo die abgeblieben sind. Dazwischen findet sich auch selbst Gemachtes wie Schalen aus alten Schallplatten oder auch selbst gestaltete Schmuckdosen. Es gibt wirklich einiges zum Stöbern und auch zum Lachen.

Die einzelnen Regale bzw. Regalböden können wochenweise gemietet werden und man kann dann ab 5€/Woche (je nach Verkaufsfläche) seinen Trödel dort zum Verkauf anbieten. Hinzu kommt eine Servicegebühr von 10% pro verkauftem Artikel, aber dafür muss man sich um nix kümmern. Die Ware wird sogar elektronisch gegen Diebstahl gesichert. Und für die Besucher wechseln ständig die angebotenen Artikel und es gibt immer etwas Neues zu entdecken.

Auch das Publikum hier ist mehr als interessant. Da sitzen an einem Tisch junge Kreative, die das kostenlose W-LAN nutzen und an ihren Projekten arbeiten. An einem anderen Tisch findet gerade ein Geschäftsmeeting statt und mittendrin unterhält eine ältere Bewohnerin des Ge-Ku-Hauses mit ihrem kleinen Hund, der sich in seinem handgestrickten Ringelpulli jedem zum Streicheln anbietet, die anderen Gäste.

20131220-214752.jpg

 

Meiner Meinung nach ist das Konsumreform ist ein wirklich tolles Konzept und definitiv einen Besuch wert. Vor allem wenn man auf der Suche ist nach etwas Netterem als den sonstigen 08/15 Gastronomien in der Innenstadt, die eh alle dasselbe anbieten und nicht mal gemütlich geschweige denn günstig sind, ist das Café eine super Alternative. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen – spätestens wenn ich wieder etwas Kurioses brauche, dass anderswo schwer oder nur für viel Geld zu bekommen ist und die Smoothies will ich auch unbedingt noch probieren- die sahen sooo gut aus am Nachbartisch.

 

 

 

Weiterlesen